Unter der Geburt:

Probleme lösen

Wichtig: Bleib bei deinen intuitiven Bewegungen und achte – auch wenn du eine PDA nutzt – darauf, immer wieder in Bewegung zu kommen (Ruhepausen sind natürlich erwünscht und sinnvoll). Die folgenden Möglichkeiten, Probleme zu lösen, sind erst dann sinnvoll, wenn es welche gibt. Sonst brauchst du dieses Kapitel nicht für deine Geburt. Der Abschnitt über die Öffnung des Beckenausgangs kann dir aber trotzdem dabei helfen für deine pyhsiologische Geburt einzustehen.

Beckeneingang öffnen

Um das Tiefertreten des Babys zu unterstützen (und damit ggf. auch den Druck auf den Muttermund zu erhöhen) bei fehlendem/unzureichendem Geburtsfortschritt kann die Überstreckung hilfreich sein. Dazu kannst du im Stehen deine Hüfte nach vorne schieben und aktiv in ein Hohlkreuz gehen, insbesondere während der Kontraktionen verändert diese Position die Einstellung des Babys zum Becken und kann den nötigen Impuls geben, dass das Baby tiefer treten kann. Alternativ kann die Position auch aus dem Vierfüßlerstand erreicht werden, indem du wie bei der Kobra aus dem Yoga dein Becken nach vorne unten schiebst und deinen Oberkörper durchdrückst (Reverse-Walcher-Manöver).

Auch ein häufiger Wechsel zwischen Hocke (nur angedeutet oder sogar bis runter in die tiefe Hocke, je nach Kraft und was sich gut anfühlt) und Aufrichtung bis ins Hohlkreuz bringen Bewegung in den Beckenbereich und die Haltung des Babys. Dazu kann ein Seil, eine zweite Person oder zumindest eine erhöhte Möglichkeit zum Abstützen/Festhalten (zum Beispiel die Wickelkommode, eine Fensterbank, ein Tisch, die Sofakante usw.) hilfreich sein.

Zusätzliche Bewegungen, die du probieren kannst, mit unterschiedlichem Kraftaufwand (diese Varianten zu kennen, ist besonders bei langwierigen Verläufen oder großer Müdigkeit wichtig):

  • Katze-Kuh aus dem Yoga
  • Tiefe Hocke (gerne mit Bewegungen wie Gewicht von links nach rechts verlagern usw.)-> Seil!
  • Kreisbewegungen auf dem Gymnastikball oder im Stehen
  • Storchengang (starkes Heben der Knie bei jedem Schritt)
  • Seitliches Treppensteigen (idealerweise über mehrere Stufen hinweg)
  • Ruheposition: kniend über einen Gymnastikball gelehnt
  • Seitenlage mit erhöht gelagertem, abgewinkelten oberen Bein (bevorzugt auf der Seite, zu der der kindl. Rücken tendiert, um die optimale Rotation zu unterstützen)

Alle Bewegungen, die Platz in der Beckenmitte schaffen, sind auch jetzt schon sinnvoll!

Beckenmitte erweitern

Das Tiefertreten deines Babys in und durch die Beckenmitte kannst du besonders mit asymmetrischen Bewegungen unterstützen. Dazu kannst du zum Beispiel ein Bein erhöht abstellen während der Kontraktion und das Becken rhythmisch vor und zurück bzw. von links nach rechts schieben. Das funktioniert auch im Vierfüßlerstand, am besten stützt du dazu deinen Oberköper auf einem Gymnastikball oder dem Bett/Sofa o.Ä. ab. Hier fällt der Wechsel zwischen aktiver Kontraktionsarbeit und Ruhepause besonders leicht.

In der Regel fällt das Anheben des Beines auf einer Seite leichter bzw. ist das Aufstellen eines Beines auf einer Seite angenehmer. Das ist die Seite, zur der der kindl. Rücken tendiert – und diese Seite dann auch zu nutzen, unterstützt die korrekte Rotation des Babys. Du machst also intuitiv alles richtig und musst nicht überlegen, welches Bein du anhebst – im Zweifel hilft ausprobieren!

Beckenausgang öffnen

Platz im Beckenausgang kann in so gut wie allen Positionen generiert werden, in dem die Knie eher zueinander zeigen bzw. tendenziell mehr geschlossen werden und die Unterschenkel auseinanderweichen (Füße gerne eher nach innen gedreht). Dadurch bewegen sich die Sitzbeinhöcker voneinander weg und lassen seitlich mehr Platz für den kindl. Kopf.

Im Stehen (oder auch im Knien) ist auch hier wieder ein Seil oder eine zweite Person zum Festhalten hilfreich, weil der Zug der Arme nach vorne-oben die Oberschenkel entlastet und damit Spannung aus dem gesamten Unterkörper nimmt und gleichzeitig die Beckenmobilität und -öffnung verstärkt.

Das Schließen der Beine schafft nicht nur Platz für das Baby im Becken, sondern entlastet auch den Damm beim Durchtritt des Köpfchens und ist daher optimaler Dammschutz, der allen Interventionen von außen (Ritgen-Handgriff, angeleitetes Hecheln usw.) überlegen ist.

Die tiefe Hocke beschleunigt das Tiefertreten des Kindes.

Achtung: Die Rückenlage bzw. halbsitzende Position während der Pressphase verhindern das Ausweichen des Steißbeins und verengen so den Beckenausgang zusätzlich. Außerdem verhindern sie Bewegungen inkl. Mikrobewegungen, was dem Baby den Durchtritt erschwert. Das Dammgewebe wird unnötig stark belastet. Daher sind diese Positionen zu vermeiden.

Für Fachkräfte: Die immer noch übliche Aufforderung, die Beine zu öffnen (“mach schön Platz für dein Baby!”), machen zwar den Zugriff leichter und ermöglicht erst viele künstliche Manöver zum “Schutz des Dammes”, hat aber den gegenteiligen Effekt. Die Spannung auf das Dammgewebe wird verstärkt durch die Spreizung der Beine und die Sitzbeinhöcker begrenzen die Beckenweite in die Breite unnötig. Viele Frauen, die unangeleitet und unbeeinflusst noch Zugriff auf intuitive Bewegungsmuster haben, bringen ihre Beine zur Kopfgeburt in gestrecktere Positionen, indem sie zum Beispiel ein Stück aus der tiefen Hocke gehen, aufstehen, im Vierfüßler das Gewicht nach vorne verlagern usw.

Diese milisekundengenaue Abstimmung zwischen Baby und Mutter funktioniert vor allem dann, wenn die Mutter im Geburtsverlauf unabhängig wurde von äußerer Hilfestellung, Tipps und gut gemeinten Ratschlägen und ihre intuitive Bewegung finden durfte.

Sternengucker/hoher Geradstand/nicht optimal eingestelltes Köpfchen

Fehlhaltungen oder Fehleinstellungen lassen sich auch unter der Geburt noch positiv beeinflussen und häufig auch ganz lösen – oder die Beckenräume können durch gezielte Bewegung so geschickt genutzt werden, dass Geburten trotzdem erfolgreich verlaufen.

Umkehrhaltungen und auch vorn übergebeugte Haltungen im Stehen, Sitzen oder der Vierfüßlerstand – insbesondere mit vielen Bewegungsimpulsen wie Katze-Kuh, über einen Gymnastikball gelehnt kreisende oder schwankende Bewegungen, nutzen die Schwerkraft und mobilisieren gleichzeitig das Becken bzw. lösen Spannung im Halteapparat, was dem Baby zusätzlichen Platz schafft.

Besonders geeignete Ruhepositionen:

  • offene Knie-Ellenbogen-Lage (Oberschenkel im 90° Winkel zum Boden), bei der im Vierfüßler die Unterarme und der Kopf auf der Matte/dem Bett abgelegt werden
  • Sims-Lagerung: Aus der Seitenlage drehst du dich so weit wie möglich auf den Bauch, wobei dein oberes Bein durch Kissen o.Ä. erhöht gelagert wird.

Um die Führungslinie zu verändern, mit der das Baby im Becken steht, kann die Frau oder eine zweite Person während der Kontraktionen über einen längeren Zeitraum den Bauch mit anheben. Dazu stehst du, soweit möglich, mit lockeren Knien und leicht nach vorne gekipptem Becken und hebt mit ihren Händen den Bauch von unten an. Das darf gerne mit etwas Kraftaufwand geschehen, solange es keine Schmerzen auslöst.

Entscheidend bei Fehlhaltungen ist die große Varianz an Bewegungen und die Bewegungen weiter zu forcieren, die Entlastung bringen oder sich gut anfühlen.

Starke Rückenschmerzen (auch außerhalb einer Kontraktion)

Wasser im Geburtspool oder einer Wanne (alternativ auf einem geeigneten Stuhl in der Dusche sitzend mit warmem Wasserstrahl auf den schmerzenden Bereich) löst die Muskulatur und verändert die Wirkung der Schwerkraft.

Das Bauchheben verändert die Stellung des Babys zum Becken und kann die Druckverhältnisse positiv beeinflussen. Dazu stehst du mit lockeren Knien, kippst dein Becken leicht nach vorne und hebst in der Kontraktion deinen Bauch mit den Händen kräftig an. Das kann auch eine zweite Person für dich übernehmen.

Rückenschmerzen unter der Geburt

Starke Rückenschmerzen, insbesondere, wenn sie in den Kontraktionspausen weiter bestehen (und ggf. mit anderen Anzeichen einhergehen wie: sehr langsamer Geburtsfortschritt, Muttermund öffnet sich nicht oder nicht über einen bestimmten Punkt hinaus, dauerhaft sehr unregelmäßige, kurze, heftige Kontraktionen usw.) deuten häufig auf eine Fehleinstellung hin. Alle Maßnahmen aus dem Punkt “Sternengucker/hoher Geradstand/nicht optimal eingestelltes Köpfchen” oben können hilfreich sein.

Entlastende Positionen, die die Schwerkraft von der Wirbelsäule weg nutzen, können helfen. Z.B. Vierfüßlerstand, kniend auf Gymnastikball/Sofa o.Ä. gelehnt oder auch Seitenlange bzw. Sims-Lagerung.

Wasser lockert durch die Wärme die verspannte Muskulatur und auch Massagen können begleitend unterstützen.

Durch das Bauchheben (Dazu stehst du mit lockeren Knien, kippst dein Becken leicht nach vorne und hebst in der Kontraktion deinen Bauch mit den Händen kräftig an. Das kann auch eine zweite Person für dich übernehmen) kann sich die Positionierung des Kindes zum Becken verändern und den Rücken entlasten.

Werden die Rückenschmerzen durch ein starkes Hohlkreuz, sehr schwache Bauchmuskeln bzw. eine große Rektusdiastase und den daraus resultierenden weit nach vorne ragenden Bauch (optisch sieht es so aus, als ob der Bauch nicht harmonisch zur Mutter gehört, sondern vorne aufgepfropft ist und sehr lose/schwingend vor der Mutter hängt) ausgelöst, kann die halbsitzende Rückenlage dem Baby helfen, den Weg ins Becken zu finden und gleichzeitig der Gegendruck der Unterlage (ggf. verstärkt durch ein Wärmekissen/Wärmflasche) entlastend wirken. Bauchheben ist besonders unter diesen Voraussetzungen ein nicht zu unterschätzendes Tool!

Bei guter Einstellung und zufriedenstellendem Geburtsverlauf kann die halbsitzende Rückenlage auch für alle anderen Gebärenden mit Rückenschmerzen einen Versuch wert sein.

Bei starken Rückenschmerzen in der Pressphase kann beidseitiger Druck auf die Beckenschaufeln durch eine zweite Person Entlastung bringen und den Beckenausgang erweitern, so dass ggf. auch nicht optimal eingestellten Köpfchen der Durchtritt erleichtert wird.

Muttermundslippe/geschwollener Muttermund

Auch hier helfen entlastende Positionen, die die Schwerkraft neutralisieren oder sogar gegen die Schwerkraft wirken wie Vierfüßler, Seitenlage, Sims-Lagerung, offene Knie-Ellenbogen-Lage (Oberschenkel haben einen 90°-Winkel zum Boden), um den Druck aus dem Gewebe zu nehmen oder im späteren Geburtsverlauf Haltungen, die die Schwerkraft anders nutzen als die bisher bevorzugten Bewegungen (z.B. Wechsel ins assistierte Stehen (Seil oder Partner, oder abgestützt auf einem geeigneten Gegenstand) oder der Wechsel ins Wasser, was die Wirkung der Schwerkraft ebenfalls verändert.

Hindert eine Muttermundslippe dein Baby daran, geboren zu werden und du fühlst dich, als ob du ständig gegen einen Widerstand presst, kannst du, wenn du möchtest, versuchen, die Lippe während oder zwischen einer Kontraktion über den Kopf deines Babys zu schieben. Dazu fasst du in deinen Geburtskanal und fühlst dort in der Regel ziemlich leicht das “Hindernis”. Du kannst jetzt mit deinen Fingern die Reste des Muttermunds nach außen wegschieben, dabei drückst du nach Gefühl mit deinen Bauchmuskeln das Baby an diesem Muttermundsrest vorbei. (Das gelingt häufig während einer Kontraktion besser, da die Gebärmutter mitarbeitet). Das kann natürlich auch deine Hebamme für dich übernehmen, was den Vorteil hat, dass erfahrenen Händen der Vorgang oft schneller gelingt, allerdings ist das Wegschieben häufig auch deutlich schmerzhafter, wenn du es nicht selbst kontrollieren kannst. Beide Varianten sind möglich – du entscheidest, was dir hilft!

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