Ich möchte von der Geburt unseres zweiten Kindes erzählen. Ich hatte, wie beim ersten Kind, eine wirklich sehr unkomplizierte Schwangerschaft und war, genauso wie bei meiner Tochter, im Geburtshaus. Steffis Kurs habe ich schon bei meinem ersten Kind gemacht.
Es war Mittwochabend. Ich merkte, dass ich auf nichts mehr Lust hatte. Keine Serie, keine Menschen oder sonst irgendwas. Die Tage davor spürte ich abends, wenn meine Tochter schlief, immer etwas. Es zog und zwickte. Ich habe mir gar nichts dabei gedacht. Am Mittwochabend (übrigens SSW 38+4) wurde ich etwas stutzig. Ich fühlte mich anders, wollte einfach meine Ruhe. Ich lag auf dem Sofa, dachte mir noch, dass ich jetzt nochmal mehr Entspannungen machen sollte, also machte ich das. Dabei schlief ich ein. Um 22 Uhr ging ich duschen und direkt wieder ins Bett.
Um 23:30 Uhr wachte ich auf einmal auf. Ich musste aufs Klo und wollte wieder ins Bett, aber da kam eine richtige Wehe. Ich war kurz überfordert. Ich wollte eigentlich wieder schlafen, aber die Wehen kamen ungefähr alle fünf Minuten. Währenddessen konnte ich auch überhaupt nicht liegen. Ich weckte meinen Mann. Er machte mir das Wohnzimmer schön mit Kerzen und gab mir meine Kopfhörer. Ich weiß noch, wie er sagte: „Ich würde jetzt nochmal schlafen gehen.“ Haha. Ging er nicht. Er packte schon mal die restlichen Sachen, und ich überlegte immer noch, ob die Geburt jetzt wirklich schon losgeht. Die Wehen wurden intensiver, aber nicht schmerzhaft, ich musste sie aber schon veratmen.
Ich rief um 00:20 Uhr meine Hebamme an, erklärte alles, und wir entschieden, dass wir uns auf den Weg machen würden. Ich war mir, bis wir im Auto saßen, nicht sicher, ob es wirklich losgeht. Im Auto kamen die Wehen auf einmal in kürzeren Abständen. Ich schielte immer mal auf die Uhr im Auto und merkte bei meinem Mann an: „Oh krass, alle drei Minuten.“
Um 1:40 Uhr kamen wir im Geburtshaus an. Vertraute Menschen und vertraute Umgebung. Ich freute mich, hier zu sein. Dann war ich mir doch auch sicher, dass ich hier nicht mehr ohne Baby rausgehen würde. Ich wollte wissen, wie weit es schon ist, und wollte, dass mich meine Hebamme untersucht. Drei bis vier Zentimeter.
Ich ging in die Badewanne und veratmete dort schon intensiv die Wehen und blieb bei mir. Ich spürte die Bewegungen meines Babys, und die Wehen wurden intensiver. Im Hintergrund lief meine Geburtsmusik.
Um ca. 3 Uhr änderte sich die Stimmung kurz bei mir. Die Tränen liefen. Ich war überfordert, wie schnell das alles ging, und freute mich gleichzeitig auf mein Baby. Ich konzentrierte mich auf die Atmung und versuchte, bei mir zu bleiben und auch loszulassen. Mein Baby darf kommen. Meine Hebamme fand natürlich die richtigen Worte und gab mir Mut.
Gegen 4 Uhr fühlte ich mich einfach nicht mehr wohl in der Badewanne. Ich hatte keinen Halt während der Wehe. Ich ging in Seitenlage auf das Bett. Ich war angespannt. Bei der Wehe hatte ich einen starken Schmerz an der Symphyse. Meine Hebamme bestärkte mich, loszulassen und ruhig zu atmen. Es war unfassbar intensiv. Ich spürte selber, dass irgendwas „klemmte“.
Um 4:42 Uhr ging ich vom Bett in den Vierfüßler. Dieser Schmerz an der Symphyse war nicht mehr da. Ich spürte intensiven Druck nach unten und schob mit. Und um 4:54 Uhr war unser Baby geboren.
Ich sah ihn an und sagte: „Ich hab’s geschafft.“ Ich war so stolz auf mich und meinen Körper, was er da geleistet hat. Es ist mir wichtig zu sagen: Hört auf eure Intuition, versucht immer wieder, bei euch zu bleiben, und sucht euch EUREN Ort, um euer Baby selbstbestimmt auf diese Welt zu bringen!