Nach meiner ersten, sehr langen und traumatischen Klinikgeburt vor fünf Jahren konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, dass Geburt schön sein kann. Aber ich wollte trotzdem daran glauben und mich deshalb nochmal trauen.
Auch wenn man eine Geburt natürlich nicht planen kann, wollte ich diesmal alles, was vorab in meiner Macht steht, tun, um besser vorbereitet zu sein – um vielleicht diese positive und schöne Geburt, von der andere Frauen berichteten, auch erleben zu dürfen.
Da ich beruflich sowieso schon selbstständig im Bereich mit Babys und Eltern war, entschied ich mich zu Beginn meiner Schwangerschaft für die Hypnobirthing-Kursleiter-Ausbildung bei Mamakompass, um richtig tief in das Thema einzutauchen. Ich saugte alles auf wie ein Schwamm und war überrascht, wie viel Hintergrundwissen, verschiedenste Dozenten und Blickwinkel dabei waren – wie ein Buffet voller Tools für Schwangerschaft und Geburt, bei dem ich mir einfach das nehmen konnte, was zu mir am besten passte.
Dieses Wissen machte schon meine Schwangerschaft anders als beim ersten Mal: gelassener, schöner, selbstbestimmter, aktiver – und die Angst vor der Geburt verwandelte sich in Vorfreude und Zuversicht.
Außerdem plante ich dieses Mal eine Hausgeburt und hatte auch schon während der Schwangerschaft eine großartige Hausgeburtshebamme an meiner Seite, die genau diese Werte vertrat und mich zusätzlich auf meinem Weg unterstützte und trug. Ein langes Gespräch mit ihr über die erste Geburt half mir ebenfalls sehr.
Die Geburt
Die Geburt begann mittags, ohne dass ich es als solche realisierte. Ich spürte plötzlich ein permanentes, ganz leichtes Ziehen im unteren Bauch. Danach ging das Ziehen wieder weg und kam wieder – in großen, unregelmäßigen Abständen. Ich erzählte meinem Mann davon, und mein fünfjähriger Sohn, der gerade in der Nähe von uns spielte, rief zu mir rüber: „Mama, das sind Wehen!“ (Er war durch das Hörbuch Was ist Was – Wie kommt ein Baby auf die Welt bestens vorbereitet.) Ich lachte, hatte aber eher den Eindruck, mein Körper bereite sich einfach ein bisschen vor.
Mein Sohn und mein Mann machten am Nachmittag eine lange Radtour bis abends gegen 18 Uhr. Somit hatte ich viel Zeit für mich und machte in Ruhe alles, was sich jetzt gut anfühlte und was ich in der lila Phase/Latenzphase gerne noch machen wollte – ohne dass mir direkt bewusst war, dass dies bereits diese Phase war.
Ich hörte entspannt Geburtsaffirmationen, den Mamakompass Geburtsbeginn und die Regenbogenentspannung / Geburtsweg in Regenbogenfarben an und ruhte mich aus. Ich machte geburtsvorbereitende Sportübungen und Yoga zu Hause und ging durch unseren Wald hinterm Haus spazieren. Die Kontraktionen kamen ca. alle 10–20 Minuten, waren ganz leicht und gut auszuhalten. Ich übte manchmal die Geburtsatmung währenddessen.
Als mein Mann und mein Sohn zurückkamen, gingen wir nach dem Abendessen gegen 19 Uhr nochmal alle zusammen eine Runde im Wald spazieren. Die Kontraktionen kamen nun ca. alle 5–10 Minuten. Ich blieb dabei kurz stehen und veratmete sie als Übung – nicht, weil sie mir so intensiv vorkamen, jedoch schon etwas intensiver als nachmittags. Die Wellenatmung entspannte mich währenddessen sehr.
Wieder zu Hause angekommen, brachte ich noch meinen Sohn ins Bett und merkte beim Vorlesen, dass ich während der Kontraktion lieber aufstehen und atmen möchte. Gegen 20:30 Uhr ging ich aus dem Kinderzimmer und ruhte mich noch ein bisschen im Schlafzimmer aus, merkte jedoch schnell, dass Liegen jetzt nicht die erholsamste Position war.
Als ich ins Wohnzimmer ging, war mein Mann dort gerade dabei, die Lichterketten aufzuhängen.
Da die Abstände der Kontraktionen plötzlich kürzer wurden, hatte ich das Gefühl, jetzt doch noch ein paar kleine Vorkehrungen für die Geburt treffen zu wollen. Danach war ich im Wohnzimmer und genoss derweil die schönen Lichter, die entspannte Musik und den guten Duft, während sich mein Mann noch etwas ausruhte.
Als er wieder zu mir kam, beschlossen wir, nun doch die Hebamme anzurufen, um sie wenigstens schon einmal zu informieren, bevor sie ins Bett geht (22:25 Uhr). Die Kontraktionen, die immer noch mit der Wellenatmung super auszuhalten waren, kamen alle fünf Minuten.
Ich vereinbarte mit ihr telefonisch, mich nochmal zu melden, sobald es intensiver werden würde und ich sie gerne bei mir hätte.
Mein Mann legte mir danach das Geburts-TENS am Rücken an, da man damit schon so früh wie möglich beginnen sollte, um die optimale Endorphinausschüttung zu fördern. Ich zündete meine selbstgemachte Geburtskerze an und war entspannt und glücklich.
Kurz darauf wurde es intensiver, und die Abstände wurden kürzer.
Aber mit TENS, Geburtskamm und Wellenatmung sowie meiner intuitiv ausgesuchten Position und Bewegung im Vierfüßler auf meiner weichen Matte war es sehr gut aushaltbar – nicht wirklich schmerzhaft, eher anstrengend wie beim Sport.
Die Geburt im Wasser
Um 23:05 Uhr sagte ich meinem Mann, er solle jetzt doch die Hebamme anrufen, damit sie losfahren kann.
Nach einer knappen halben Stunde kam sie ganz ruhig und entspannt ins Wohnzimmer, setzte sich erstmal mit etwas Abstand zu mir auf den Boden, lächelte, schaute mich an und brachte eine vertraute, positive und zuversichtliche Stimmung mit.
Kurz darauf zog sie sich erst einmal in den Nebenraum zurück. Zwischendurch sprach sie noch mit meinem Mann, ob er nicht lieber schon mal Wasser in den Geburtspool lassen möchte.
Er hatte es noch gar nicht auf dem Schirm, dass dies schon an der Zeit wäre, aber folgte zum Glück ihrem Rat.
15 Minuten später kam ich – rückblickend betrachtet – in die Übergangsphase/orange Phase (vor der ich im Vorhinein am meisten Respekt hatte), ohne dass es mir bewusst war.
Die Abstände wurden kürzer (ca. drei Minuten), und ich hatte während der Kontraktionen gut zu tun, die Atmung und Konzentration zu halten – hatte aber nie das Gefühl eines starken Schmerzes oder dass mich die Welle überrollen würde.
Um 00:07 Uhr stieg ich mit Geburtskamm in der Hand und meinem kalten Waschlappen auf der Stirn in den Pool und lehnte mich mit den Armen über den Poolrand. Mein Mann massierte mir mit dem Igelball den unteren Rücken.
Zwei Minuten nachdem ich in den Pool gestiegen war, platzte die Fruchtblase, und dann ging alles ganz schnell.
Ich spürte, dass der Kopf tiefer rutschte, atmete, schob und tönte bei jeder Welle mit.
Es war kraftvoll, intensiv, spannend, magisch und ein starker Druck.
Um 00:17 Uhr wurde mein Sohn geboren, und ich konnte ihn vor mir im Wasser schwimmend selbst auf dieser Welt empfangen und hochnehmen.
Es war unbeschreiblich.
Nach der Geburt mit dem Neuankömmling in völliger Ruhe ins eigene Bett zu gehen, war unbezahlbar.
Es war für mich eine heilsame Traumgeburt.
Jetzt habe ich selbst erlebt, wie wunderschön und bereichernd es sein kann – und möchte das gerne in die Welt hinaustragen, damit es auch andere Frauen erleben können.