Ich hatte eine schöne, unbeschwerte Schwangerschaft. Ich hatte von Anfang an eine tiefe Verbindung zu meinem Kind, habe viel meditiert und mir Zeit für mich und unseren Bauchzwerg genommen. Durch den Online-Geburtsvorbereitungskurs bei Mamakompass hatte ich viele Informationen und Material, um mich bestens auf die Geburt vorzubereiten. Ich hatte keine Angst vor der Geburt und war voller Vorfreude auf dieses Ereignis, obwohl meine erste Geburt interventionsreich und belastend für mich war.

Ich habe in der Schwangerschaft alles anders gemacht, war nur zu den drei Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt und habe sonst die Vorsorgeuntersuchungen bei der Hebamme wahrgenommen. Dadurch hatte ich so ein gutes Körpergefühl und wusste genau, wie mein Baby gerade in meinem Bauch liegt.

Ich habe immer sein Köpfchen an meinen Rippen gespürt. Ich fühlte eine ganz tiefe Verbundenheit.

Mit voranschreitender Schwangerschaftswoche und nach wie vor bestehender Beckenendlage wurde ich nervös. Mein Plan für die Geburt wurde ins Wanken gebracht.

Leider war es nicht möglich, in dem Geburtshaus, welches ich als Geburtsort gewählt hatte, mit BEL zu entbinden. Ich wollte auf keinen Fall nochmal ins Krankenhaus. Ich hatte viele Gespräche mit meiner Hebamme, und wir haben überlegt, was wir tun können. Ich habe spezielle Übungen aus dem Yoga gemacht, mich viel bewegt und gemoxt. Ich habe versucht, mit unserem Kind zu kommunizieren, und dennoch war ich auch der festen Überzeugung, dass es schon einen Grund haben wird, wieso sich unser Baby nicht/nicht rechtzeitig gedreht hat.

Mittlerweile befand ich mich in der 38. Schwangerschaftswoche, und ich stellte mich in der Klinik vor. Hier wurde ich auch bezüglich einer äußeren Wendung und einer natürlichen Geburt in BEL aufgeklärt. Schon als ich die Klinik betreten hatte, war für mich eigentlich klar: Hier will ich nicht entbinden. Nur leider blieb mir dann außer allein zu gebären keine Wahl. Die Oberärztin war sehr kompetent und meinte, dass sie selbst auch in BEL entbunden hat und diese Position gerade auch bei Zweitgebärenden eigentlich gar kein Problem ist. Zudem riet sie mir aufgrund der Messwerte, eine äußere Wendung in Betracht zu ziehen. Sie meinte ehrlich, dass es nach wie vor so ist, dass es in der Klinik Ärzte gibt, die bezüglich BEL-Geburten offener sind, andere jedoch sehr schnell einen Kaiserschnitt in Betracht ziehen. Ich war traurig, das wollte ich auf keinen Fall. Wir verabschiedeten uns damit, dass sie meinte, ich solle mir alles durch den Kopf gehen lassen, mich entspannen, mal schwimmen gehen, ein bisschen im Wasser turnen und einen Purzelbaum unter Wasser machen.

Ich hatte dann am nächsten Tag angerufen und aus Angst vor einer BEL-Geburt im Krankenhaus einen Termin für die äußere Wendung zum letztmöglichen Termin ausgemacht, da ich nach wie vor noch optimistisch war, dass sich das Baby dreht, und der äußeren Wendung kritisch gegenüberstand.

Am Wochenende haben wir den Rat befolgt und sind schwimmen gegangen. Wir hatten einen wunderschönen Abend als Familie im Schwimmbad. Ich habe es so genossen, unsere große Tochter auf dem Arm im Wasser unbeschwert tragen zu können und mich so leicht zu fühlen. Auch wenn es mich Überwindung gekostet hat, habe ich ein paar Purzelbäume im Wasser gemacht. Danach habe ich direkt zu meinem Mann gesagt, dass ich mich anders fühle, und ich wollte es gar nicht zu laut sagen, aber das Köpfchen an meiner Rippe war nicht mehr zu spüren.

Am Sonntag hatte ich noch ein sehr gutes Telefonat mit einer Frau, die BEL natürlich in der Klinik entbunden hat, und ich konnte ihr alle Fragen stellen. Dieses Telefonat hat mich sehr beruhigt, und ich konnte mich mental mehr mit dieser Geburtsweise anfreunden.

Am Dienstag hatte ich den Termin zum Vorgespräch für die Wendung in der Klinik, und bei dem Ultraschall meinte die Ärztin: „Wir können den Termin direkt abbrechen, Ihr Kind befindet sich in Schädellage.“ Ich war so glücklich darüber. Ich habe direkt meine Hebamme angerufen und ihr von den Neuigkeiten berichtet. Jetzt konnte ich wie geplant ins Geburtshaus, und ich war voller Vorfreude.

Immer wieder hatte ich in der kommenden Woche vorbereitende Wellen, und ich merkte, dass die Geburt bald losgehen würde. Einen Tag nach dem errechneten ET wurden die Wellen nun intensiver, und ich musste gegen Abend hin diese immer häufiger bewusst veratmen. Wir machten weiter unseren Ablauf. Aber mir war klar, dass heute Nacht die Geburt unseres Kindes auf uns warten würde. Ich kochte noch Suppe vor, brachte unsere Tochter ins Bett und erklärte ihr, dass ihre Oma heute hier schlafen wird und bald ihr Bruder bei uns sein wird.

Mein Mann legte sich noch schlafen, weil ich meine Ruhe wollte. Ich wanderte durch das Haus und war ganz bei mir und unserem Kind. Ich nahm mir eine warme Dusche und machte mich frisch für die Geburt. Ich richtete mir im Wohnzimmer ein kleines Plätzchen ein und veratmete dort jede Welle bei gedimmtem Licht, versprühte überall meinen Geburtsduft und hörte angenehme Musik.

Nach drei Stunden merkte ich, dass die Wellen intensiver wurden. Aufgrund unserer Anfahrt ins Geburtshaus (40 km) habe ich meine Hebamme kontaktiert. Wir entschieden gemeinsam, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt sein wird, loszufahren. Ganz instinktiv wusste ich auch, dass wir los sollten und die Geburt nicht mehr lange auf sich warten ließe.

Ich weckte meinen Mann, rief meine Schwiegermutter nebenan an, und wir fuhren los. Im Auto konnte ich die Wellen nur schlecht veratmen, aber ich hatte einen Duft, mit dem ich schon in der Schwangerschaft meditiert hatte, auf ein Mulltuch geträufelt. Das war mein Anker für die Fahrt. Dieser Duft hat mir so viel Kraft gegeben, und die Zeit verflog nur so – schließlich waren wir im Geburtshaus angekommen.

Nachdem ich ausgestiegen war und den Geburtsraum erreicht hatte, war ich erleichtert und direkt entspannt, jetzt angekommen zu sein.

Zunehmend wurden die Wellen intensiver. Plötzlich schossen Gedanken durch meinen Kopf: „Was ist, wenn es wieder so lange dauern würde? Wenn ich wieder keine Kraft mehr haben würde? Wenn ich ins Krankenhaus müsste, weil es zu lange dauert?“ Meine Hebamme gab mir Zuspruch und meinte, dass sie das Gefühl habe, der Geburtsprozess sei schon recht weit fortgeschritten. Ich bat aus Unsicherheit und zur Gewissheit, sie möge meinen Muttermund untersuchen – 2 cm, ein ernüchterndes Ergebnis für mich. Ich hatte einen kurzen Flashback an meine erste Geburt.

Aber ich habe versucht, mich wieder in den Flow zu begeben, ganz bei mir, bei meinem Körper und bei unserem Kind zu sein. Ich erinnerte mich immer wieder an die Visualisierung meiner Traumgeburt. Ich sagte zu mir: „Wir schaffen das. Ich kann mit meinem Baby ganz alleine unsere Geburt meistern. Ich bin hier sicher und bekomme die nötige Zeit.“