Ein Geburtsbericht im Zeichen von Affirmationen, Geburts-TENS und dem Kampf um den Erhalt meiner Selbstbestimmung.

Nach meinem Geburtsvorbereitungskurs bei euch über Mamakompass und der tollen Yogakursleiterinnenausbildung mit Luisa habe ich mich toll vorbereitet, selbstbewusst und zufrieden gefühlt. Selbst die Woche über Termin stresste mich überhaupt nicht – im Gegensatz zu meinem Umfeld. Ich hatte trotz „Wehwehchen“ eine entspannte Einstellung in der Schwangerschaft entwickelt und wusste, nachdem sich meine Kleine schon gut im Becken eingerichtet hatte, dass sie und mein Körper schon genau wüssten, wann der „richtige Zeitpunkt“ wäre.

Nachdem vier Wochen vorher mein Gleichgewichtsorgan im linken Ohr ausgefallen war, hatte ich zudem das Gefühl, dass wir vielleicht einfach noch etwas Zeit gebraucht hatten, um uns nach der Geburt auch richtig umeinander kümmern zu können, und so war ich überzeugt davon, dass die Geburt starten würde, sobald es für meine Kleine und meinen Körper gut wäre.

Meine Tasche, die Affirmationskarten und gute Musik lagen bereit, sodass wir noch eine schöne letzte Kugelbauchzeit genießen konnten. Auch meinen Geburtsplan hatte ich schon Wochen vorher in der Klinik abgegeben. Die Klinik, die ich gewählt hatte, erschien mir als kleine Klinik etwas zugänglicher für meine eingeübten Techniken und etwas weniger „klinisch“.

Nachdem am Donnerstagnachmittag beim Spazierengehen der Bauch dann schon etwas hart war und ich beim Zubettgehen das Gefühl hatte, nicht mehr liegen zu können, wusste ich schließlich, dass unsere kleine Geburtsreise begonnen hatte.

Meinen Mann ließ ich noch schlafen, und nach einer warmen Dusche ließ ich mich, umgeben von meinen Affirmationen, im Wohnzimmer ganz aufs Atmen und Bewegen bei Kerzenschein ein.

Ab zwei Uhr kam bereits alle drei bis fünf Minuten eine Welle von 40 Sekunden bis einer Minute, und ich zweifelte kurz, ob ich überhaupt checken würde, wann es Zeit war, ins Krankenhaus loszufahren. Für mich stand zugleich fest, dass ich so lange zu Hause bleiben wollte, wie es ging.

Als mein Mann dann aufstand, ließ ich mir von ihm noch die Elektroden für das Geburts-TENS aufkleben, was mich zusätzlich dabei unterstützte, die Schmerzen der häufigen Wellen zu tolerieren.

Meine Intuition ließ mich nicht im Stich, und tatsächlich kam irgendwann das Gefühl, dass wir nun bald losfahren müssten, wenn ich noch in die Klinik wollte, sodass wir dann gegen sieben Uhr losgefahren sind.

Da habe ich dann erfahren, wie weit wir sind: 8,5 cm hatten meine Kleine und ich schon zusammen zu Hause vorgearbeitet. Mein Gefühl leitete mich genau richtig, und mein Körper und mein Baby waren in einem tollen Flow. Ich war richtig stolz auf meine Kleine und mich – die Stunden zu Hause waren anstrengend, aber auch bestärkend gewesen. Ich hatte das Gefühl, wir wussten genau, was wir taten und wie es abzulaufen hatte.

Deshalb hatte vermutlich jeder die Erwartung, dass es „jetzt auch ganz schnell gehen“ müsste, und mein Mann durfte den Kreißsaal nicht mehr verlassen, um noch die Tasche mit den Snacks zu holen, die er nicht mehr hatte tragen können.

Aufgrund mehrerer Geburten kam zunächst alle zwei Stunden eine andere Hebamme in Bereitschaft, dazu noch zwei Ärzte. Also jedes Mal: neues Vorstellen, Erkunden, „wie weit wir mittlerweile denn schon sind“ und Wünsche erklären bzw. Fragen beantworten.

Dem Arzt war auch daran gelegen, dass ich ihm den Mehrwert des Geburts-TENS erläutere, nachdem ich ja keine Schmerzmittel oder PDA wollte (woraufhin die Hebamme ihm erklärte, dass wir „starken Frauen das schon schaffen können“). Die PDA empfahl er allerdings dringend, wenn wir in der nächsten halben Stunde nun nicht noch den letzten Saum bis zu den zehn Zentimetern geschafft hätten.

Auch, dass ich nicht von Anfang an einen Zugang wünschte, stieß eher auf Unverständnis, da die Blutprobe, die sie auf jeden Fall zu Beginn abnehmen „mussten“, ohnehin über den gleichen Weg entnommen wurde.

Und sobald Ungeduld dazukommt, geht das Adrenalin halt vermutlich gegen das Oxytocin. 😬

Ich merkte, wie mich die Zeitlimits oder „Deadlines“ zunehmend unter Druck setzten und wie es mir immer schwerer fiel, nicht vollkommen im Kopf zu sein. Mein innerer Raum entfernte sich gefühlt immer mehr von mir, und Worte wie „Stillstand“, „Saugglocke“ und „Wehenmittel“, die in den Raum geworfen wurden, förderten meinen Flow nicht gerade.

Hatte ich doch schon zur Geburtsvorstellung extra einen Geburtsplan abgegeben, den ich auch noch einmal mitgebracht hatte. Ich verstand nicht, warum ich gefühlt nun dennoch so sehr kämpfen musste, damit diese Wünsche respektiert würden. Die Hebamme, die dann eigentlich Dienst hatte und nun zur Geburt dazukam, hatte den Plan zugleich dem Arzt nicht einmal gezeigt – vermutlich hätte er ihn nicht verstanden …

Zum Glück hatten wir dann doch irgendwie den letzten Zentimeter geschafft, und auch wenn ich solange dazu angehalten wurde, nicht zu pressen, bis der Arzt dann wiederkam und bestätigte, dass es sich um Presswehen handelte („weil man erst in den Presswehen pressen darf“ – gefühlt hatte ich bis dahin schon einige mit Müh und Not „veratmet“ …), erinnerte ich mich daran, dass es eigentlich darum geht, mitzuschieben, und das tat ich dann auch.

Da meine Wellen nach einiger Zeit dann jedoch so langsam weniger wurden, veranlasste die Hebamme eine künstliche Oxytocin-Zufuhr.

Zum Glück versuchte mich die Hebamme dann auch in der Wahl einer aufrechten Geburtsposition zu unterstützen.

Der Arzt bereitete der Vierfüßler-Position jedoch hörbar zunehmend Unbehagen und drängte vermehrt in eine Position auf der Liege, da man sonst überhaupt keinen Überblick und keine Kontrolle hätte, was vor sich ginge.

Spätestens als er mich in die Rückenlage zwang und einen Dammschnitt machte, war für mich nicht mehr viel mit Veratmen möglich.

Zum Nähen wurde sie nach der Geburt dann leider aber auch recht schnell zum Anziehen gebracht.

Ich bin stolz, wie entspannt ich mich in der Schwangerschaft auf die Geburt vorbereiten konnte und was meine Kleine und ich dennoch alles zusammen geschafft haben. Ich hatte meine Techniken, meinen Plan und kommunizierte meine Wünsche … und dennoch bleibt am Ende das Gefühl, dass ich es nicht geschafft habe, letztlich vollkommen für mich einzustehen.

Mein Umfeld bewundert mich für meine so ausgeglichene kleine Tochter, aber ich kämpfe noch damit, meine eigene Sicherheit und Geborgenheit zurückzugewinnen.

Doch irgendwann werde ich mir diese auch wieder zurückerkämpfen.

Und das Positive überwiegt natürlich insgesamt trotzdem. 🥰

So ein kleines Menschlein dazuhaben, ist echt der Hammer – und bis zu den letzten Metern in der Geburt haben wir ja auch Schwangerschaft und Co. voll gut gemeistert. 🤗💪🏻