Unsere Tochter hat schon, bevor sie überhaupt auf der Welt war, dafür gesorgt, dass wir lernen, dass Pläne dazu da sind, um wieder umgeworfen zu werden und uns dem Vertrauen ins Leben und in uns hinzugeben. Der ursprüngliche Plan war, dass sie bei uns zu Hause auf die Welt kommt. Sie entschied sich allerdings, wie unsere Hebamme immer so schön sagte, „wie ein kleiner Buddha im Bauch sitzenzubleiben“. Bis zum Schluss.
Aus der Hausgeburt wurde also eine Geburt im Krankenhaus. Wir fanden eine Klinik, die mit uns nach ein paar Voruntersuchungen die Geburt in Beckenendlage natürlich versuchen wollte. Der ET war da, doch unserer Tochter gefiel es scheinbar ziemlich gut im Bauch meiner Frau. So hieß es, alle zwei Tage zur Kontrolle zur Frauenärztin. Diese überwies uns recht schnell an das Krankenhaus. Dort waren sie glücklicherweise recht entspannt, und wir konnten immer wieder nach Hause. Erst für ET+10 bekamen wir dann einen Termin für die Einleitung.
Wir waren aufgeregt, aber insgesamt doch ganz gut vorbereitet durch den Kurs bei Steffi. Im Krankenhaus angekommen, wurden wir freundlich empfangen und direkt in das Zimmer gebracht, in dem Carina auch die Einleitung bekommen sollte. Bevor es losging, wollte die diensthabende Chefärztin noch einmal mit uns sprechen. Es folgte ein ziemlich langes Aufklärungsgespräch über alle Risiken, die auftreten könnten. Ehrlicherweise sorgte das für große Zweifel bei meiner Frau. Ich bat darum, dass wir einen Moment allein sein können.
Wir haben uns miteinander verbunden, ich habe Carina gut zugesprochen und sie mental unterstützt. Wir entschieden uns dann, uns nicht einschüchtern zu lassen und gegen einen Kaiserschnitt. So wurde Carina um 10 Uhr mit einem Gel eingeleitet. Die ersten Wehen ließen nicht lange auf sich warten. Nach einem ersten CTG wurden wir für zwei bis drei Stunden aus dem Kreißsaal „entlassen“. Also ging es auf unser Zimmer. Die Wehen waren regelmäßig, aber für Carina noch gut zu veratmen.
Nach zwei Stunden ging es wieder zum CTG. Alles verlief gut, und die Wehen blieben gleichmäßig. Auch jetzt durften wir wieder „raus“. Wir entschieden uns, das Auto noch einmal umzuparken, was sich für Carina nun als sehr schmerzhaft herausstellte. Auf dem Weg zurück zum Krankenhaus machten wir noch einen Stopp in einem Café in der Nähe. Mittlerweile mussten wir während der Wellen beim Laufen immer wieder anhalten. Um es besser auszuhalten, küssten wir uns bei jeder Welle, um das Oxytocin auszuschütten.
Nach einer kleinen Stärkung ging es zurück ins Krankenhaus zum nächsten CTG. So langsam wurde es draußen schon dunkel. Nach dem CTG öffnete sich die Fruchtblase, was zur Folge hatte, dass Carina direkt wieder auf die Liege musste. Mittlerweile waren die Wellen doch recht stark, und Carina verlangte mehrmals nach Schmerzmitteln und einer PDA. Da wir aber vorher vereinbart hatten, dass sie nur im absoluten Notfall eine PDA möchte, versuchten die Hebamme und ich zunächst alles andere.
Gegen 19 Uhr entschied ich mich, unserer Hebamme zu schreiben, die wir ursprünglich für die Hausgeburt gebucht hatten. Wir hatten das riesige Glück, dass sie sich dazu bereit erklärte, uns auch im Krankenhaus zu unterstützen. Carina verlangte immer wieder nach weiteren Schmerzmitteln und der PDA. Ich besprach dann mit der Hebamme vom Krankenhaus das weitere Vorgehen, denn ich hatte das Gefühl, dass Carina noch Kraft hatte und es noch nicht Zeit für eine PDA war.
Glücklicherweise wurde gerade ein Kreißsaal mit Badewanne frei! Kurz vorher traf auch unsere Hausgeburtshebamme ein. Im Kreißsaal angekommen, ging es für Carina gleich in die Badewanne. Das Licht war gedimmt, wir machten die Playlist an, die wir extra vorher erstellt hatten. Das Wasser und der Raumwechsel halfen Carina sehr, und die PDA war kein Thema mehr. Sie lag in der Wanne, ich hielt ihre Hand und sprach ihr immer wieder Mut zu. Unsere Hausgeburtshebamme war die ganze Zeit an unserer Seite.
Das gab besonders mir auch viel Sicherheit. Denn wir waren zwischen den Untersuchungen immer für zwei bis drei Stunden allein, und wenn dann etwas Blut ins Wasser kam, reichte ein kurzer Blick zu ihr, und ich wusste, dass alles okay war. Nach weiteren drei Stunden in der Wanne musste Carina erneut ins Bett, um ein CTG schreiben zu lassen. Ich war die ganze Zeit an ihrem Kopf und hielt ihre Hand.
Nun merkte ich jedoch, dass meine Beine zittrig wurden. Unsere Hebamme löste mich ab, sodass ich noch kurz einen Schluck Cola trinken und etwas essen konnte. Mittlerweile war es ca. 23 Uhr. Die Wehen wurden nun immer stärker. Wir sprachen Carina immer weiter Mut zu und unterstützten sie so gut es ging.
Nun wurde es kurz hektisch – die Presswehen setzten ein, und die Ärztin sagte uns Bescheid, dass gleich weitere Ärzte und Hebammen kommen würden und auch das Licht angemacht werden müsste. Als Schutz für Carina legten wir ihr ein Tuch über den Kopf, damit es nicht zu hell wurde. Im Nu waren außer uns dreien fünf weitere Personen im Zimmer.
Carina hatte bereits vorher die Position in den Vierfüßler gewechselt und krallte sich mit jeder Welle in meinen Arm und an die Griffe des Bettes. Der Popo war schon zu sehen. Kurze Zeit später war unsere Tochter dann geboren.
Wir konnten es gar nicht glauben und hatten Tränen in den Augen. Carina drehte sich langsam um und bekam die Kleine direkt auf die Brust gelegt. Die Plazenta kam direkt mit unserer Tochter auf die Welt. Es gab keine Geburtsverletzungen. Nach einem ganz kurzen Check verließen auch schon alle den Raum, und wir konnten zu dritt langsam ankommen.
Nicht ganz eine Stunde nach der Geburt kam die Klinikhebamme zum Abnabeln und zur anschließenden U1. Die Hebamme war total nett und freundlich und erfüllte all unsere Wünsche.
Gegen 01:30 Uhr waren wir dann auf dem Zimmer. Wir entschieden uns dazu, das Krankenhaus am Morgen wieder zu verlassen. Es wurde noch die U2 gemacht, und gegen 10 Uhr konnten wir das Krankenhaus zu dritt verlassen.
Ich war wahnsinnig stolz auf Carina und ihre Stärke – und darauf, dass wir uns nicht umstimmen ließen und an uns geglaubt haben. Besonders, dass wir unsere Hausgeburtshebamme als weitere Begleitung hatten, war unglaublich wertvoll. Sie hat uns super unterstützt und mir sehr viel Sicherheit gegeben. In dem Moment war sie zwar nicht unsere Hebamme, aber eine unglaublich unterstützende Doula für uns.