Gegen 04:00 Uhr gingen deutlich spürbare Wellen los. Ich habe mich direkt in die Atmung „Ein, 2, 3, 4 – Aus, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8“ eingefunden. Irgendwann (recht schnell) hatte ich das Gefühl, dass mein großer Sohn zur Oma soll. Also sagte ich meinem Mann Bescheid, und er kümmerte sich um alles. In einer Pause verabschiedete ich meinen Sohn und empfand es als entspannter, als er nicht im Nebenzimmer war. Ich bat meinen Mann um den Geburtskamm und habe ihn von da an, bis unser Baby auf der Welt war, nicht mehr aus den Händen gegeben.
Die Wellen wurden stärker, und ich lag die ganze Zeit in meinem Bett und fühlte mich dort wohl. Irgendwann lud ich mir eine App runter – zum Tracken. Gegen 07:45 Uhr riefen wir auf meinen Wunsch im Kreißsaal an, und mein Mann meinte, dass die Hebamme Folgendes zum Abschied sagte: „Kommt vorbei, ich freue mich auf euch!“ Allein dieser Satz hat mir so viel gegeben. Ich fand das ganz toll. 😍
Wir fuhren ins Krankenhaus, und auf einmal machte es „Blitz“ … Wir wurden also tatsächlich auf dem Weg in den Kreißsaal geblitzt. 🤣 Auch wenn ich total in meiner Atmung und somit in meiner eigenen Welt war, musste ich darüber kurz schmunzeln.
Gegen 08:30 Uhr waren wir im Krankenhaus, und ich durfte direkt in den Kreißsaal, den ich mir wünschte. Es wurde etwas dunkel gemacht und ein schönes blaues Deckenlicht eingeschaltet. Es war wirklich eine schöne Atmosphäre – auch wenn ich das erst im Nachhinein so sagen kann. In dem Moment war es mir eigentlich total egal. 😌
Die Hebamme fragte, ob ich einen Zugang will, und ich verneinte. Das wurde so hingenommen, und sie ließ uns einfach machen. Sie kam immer mal wieder, um zu fragen, ob wir etwas brauchen, aber sie merkte auch (erzählte sie mir im Nachhinein), dass wir zusammen einen Flow hatten und eigentlich von außen niemanden brauchten.
Ich verlangte irgendwann von ihr, dass sie mich untersucht, weil ich meine Muttermundöffnung wissen wollte. Ich tat mir total schwer, mich hinzulegen, und sie hatte Geduld, bis ich so weit war. Was ich nie vergessen werde, ist, dass sie dann zu mir sagte: „Talisa, ich fasse dich jetzt an – ist das okay?“
Mein Muttermund war bei 4–5 cm, und ich war irgendwie demotiviert. Die Wellen wurden viel intensiver und kamen in sehr kurzen Abständen (wie ich finde). Ich sagte irgendwann, dass ich Schmerzmittel will. Die Hebamme meinte Folgendes: „Ich gebe dir gerne alles, was du möchtest, aber dann brauchst du einen Zugang, musst dich hinlegen und kommst ans CTG. Du machst das alles so gut und bist so weit, ich glaube, du schaffst das ohne Schmerzmittel.“
Somit hatte sie mich überzeugt, und ich spürte, dass mein Mann ihrer Meinung war. Irgendwann sagte die Hebamme, sie müsse im anderen Kreißsaal das Baby holen, und sie käme erst wieder so in 20–30 Minuten. Ich wusste sofort, dass ich das nicht schaffe. Die Wellen fingen an, sich zu verändern. Ich spürte einen Druck nach unten, und ich machte andere Laute. Meine Fruchtblase ging somit auch auf.
Sobald ich den ersten „anderen“ Laut von mir gab, stand die Hebamme wieder bei uns und verstand, dass sie wohl erst mein Baby holen muss bzw. dass bei mir die Presswehen eingesetzt hatten.
Ich war eigentlich die ganze Zeit gestanden und habe mich bei den Wellen um den Hals meines Mannes gestützt und nach vorne gebeugt. Irgendwann wollte ich in den Vierfüßlerstand auf die Gymnastikmatte. Mein Mann saß vor mir auf einem weichen Würfel/Hocker. Bei jeder Presswehe hielt ich mich an ihm fest. Nach einer Wehe wollte er sich „bequemer“ auf den Hocker setzen, und ich hatte direkt wieder eine Wehe zum Pressen und hielt mich wieder mit aller Kraft an ihm fest.
Er rechnete mit einer kleinen Wehenpause und war nicht stabil, also fielen wir beide um wie eine Schildkröte – er auf den Rücken und ich auf ihn drauf. 🤣 Genau in diesem Moment wurde der Kopf geboren. Und auch erst zu diesem Zeitpunkt kam eine Ärztin dazu.
Sie war aber eher neben mir gesessen, und die Hebamme hinter meinem Po erledigte alles mehr oder weniger alleine (mit mir). Als unser Sohn geboren war (11:21 Uhr) und unter mir lag, sagte die Ärztin nur: „Oh, das sieht nach einem sehr großen, schweren Kind aus.“
Da ich ET+10 war, hatte mir mein Gefühl immer gesagt, dass ich ein sehr schweres Kind gebären darf. Dies bestätigte sich mit 4.220 g, 56 cm und 36 cm Kopfumfang.
Ich sollte mich dann auf das Geburtsbett legen – der Kleine auf mir. Nach einigen Minuten fragte die Hebamme mich, ob die Nabelschnur noch pulsiert. Ich selbst sollte das also entscheiden, indem ich es „erfühlte“.
Sie gab der Plazenta ganz viel Zeit, und irgendwann spürte ich leichte Kontraktionen und konnte die Plazenta ohne Oxytocin-Gabe gebären (denn ich hatte ja gar keinen Zugang). Danach wurde ich ganz behutsam untersucht, und ich hatte bis auf eine leichte Schürfung rein gar nichts.
Für mich (und die Ärztin) fast unvorstellbar bei dem Gewicht. Aber mein Körper war anscheinend genau für dieses Kind gemacht! Ich bin sehr dankbar, eine so selbstbestimmte Geburt erleben zu dürfen. Ich habe das Gefühl, nach meiner traumatischen ersten Geburt irgendwie geheilt zu sein.
Dafür bin ich wirklich sehr dankbar. 🙏